Zur Situation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der Zeitarbeit
Die Zeitarbeit ist eine Boombranche mit enormen Wachstumsraten: Ende 2007 waren bundesweit über 720.000 Personen in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt, 260 % mehr als 1997. Mittlerweile werden von den 21.200 Zeitarbeitsunternehmen (1997 waren es erst 9.100 ) mehr als ein Drittel aller neuen Beschäftigungsverhältnisse  in der deutschen Wirtschaft besetzt.

Noch immer zeichnet sich Zeitarbeit durch kurze Einsatzzeiten aus: 11% aller Einsätze dauern weniger als eine Woche, 44% weniger als 3 Monate. Der Anteil an "Hilfstätigkeiten" ist mit einem Anteil von über 30 % vergleichsweise hoch, ebenso wie – bedingt durch die Dominanz des produzierenden Sektors – der  Männeranteil (73%) bei den externen Beschäftigten (Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, August 2008).

Zeitarbeit im Dienstleistungsbereich wie etwa Bürotätigkeiten, Arbeiten in Call-Centern oder in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und höher qualifizierte Tätigkeiten nehmen dabei ebenso zu, wie die Dauer des Zeitarbeitseinsatzes.

Auch wenn die Unfallzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen sind, ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Zeitarbeit immer noch defizitär. Unfallhäufigkeit und Krankenstand in der Zeitarbeit liegen deutlich über dem Niveau in anderen Branchen. Ansätze eines modernen Gesundheitsmanagements, wie sie bei Manpower entwickelt und erfolgreich umgesetzt worden sind (z.B. Biomonitoring, Gesundheitshotline), finden sich nur bei ganz wenigen Zeitarbeitsunternehmen.

Zum einen liegt dies sicherlich an den speziellen Rahmenbedingungen von Zeitarbeit. Die externen Beschäftigten sind nur für eine begrenzte Einsatzzeit im jeweiligen Kundenunternehmen mit seinem für den Zeitarbeiter „fremden“ Arbeitssicherheitssystem. Der eigentliche Arbeitsplatz liegt darüber hinaus nicht im unmittelbaren Gestaltungsbereich des Niederlassungsleiters oder des Personaldisponenten. Das Kundenunternehmen muss also partnerschaftlich in das Gesundheitsmanagement einbezogen werden, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz vor Ort überhaupt aktiv gestalten zu können.

Zudem ist Zeitarbeit geprägt durch eine hohe Fluktuation, einen hohen Anteil von Migranten mit z.T. erheblichen Sprachbarrieren, Ungelernten und Geringqualifizierten, wodurch besondere Anforderungen an die Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes entstehen.

Zum anderen hat es die Zeitarbeitsbranche versäumt, in ihren Betrieben professionelle Strukturen der Gesundheitsförderung und des Arbeitsschutzes in die Personaldisposition und in die Interaktion mit den Kundenbetrieben zu integrieren. Hier existiert erheblicher Handlungsbedarf.

Eine moderne, qualitätsorientierte Zeitarbeit muss den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu einer strategischen Führungsaufgabe machen. Das „Modell GEZA“ soll helfen, die Branche hierbei zu unterstützen.

Stand: November 2008